Das Ziel

Worum geht es?

Es geht um die Gründung des ersten Deutschen Kampfsportmuseums. Dieses soll in einer Dauerausstellung einem bislang einmaligen Konzept die folgenden Themenschwerpunkte vermitteln:

  • Kampfsport und Kampfkunst als Kulturgeschichte
  • Gewaltgeschichte und Gewaltprävention

Das Museum soll der Definition des International Council of Museums (ICOM) gerecht werden und daher „eine nicht gewinnbringende, ständige Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung [sein], die für die Öffentlichkeit zugänglich ist und materielle Belege des Menschen und seiner Umwelt zum Zwecke des Studiums, der Erziehung und der Freude erwirbt, erhält, erforscht, vermittelt und ausstellt.“

Kernziele:

  • Bereicherung der regionalen Kulturlandschaft mit einem innovativen Museumskonzept
  • Vermittlung der Kulturgeschichte des Kampfsports mit abendländischem Schwerpunkt und regionalen Bezügen
  • Gewinnung neuer Zielgruppen für die Museumslandschaft: Integration über den Zugang des Sports und Partizipation an der Geschichtskultur in der Jugendarbeit
  • Vernetzung zwischen verschiedenen gemeinnützigen Institutionen aus Sport und Kultur
  • Schaffung einer Plattform für Gewaltprävention, Konfliktmanagement, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung
  • Bau einer Zuschauersportanlage für regionale Sportvereine
  • Gründung der ersten deutschen Kampfsport-Bibliothek

In diesem Sinne sieht das Konzept folgende inhaltliche Schwerpunkte vor:

Sammeln und Bewahren

Gesammelt werden sollen Exponate zur europäischen, insbesondere zur deutschen Kampfsportgeschichte. Hierzu zählen archäologische Funde von ur- und frühgeschichtlichen Waffen wie Speerspitzen, Lanzen, Messer etc. Aus der ägyptischen, griechischen und römischen Antike werden nur sehr schwierig Exponate zu erhalten sein, doch kann hier zur Veranschaulichung des kulturhistorischen Werts auf Repliken zurückgegriffen werden. Beispiele wären eine Wandmalerei mit Ringkampfgruppen aus dem alten Ägypten; Statuen, Wandreliefs, Teller und Vasen mit Boxern, Ringern und Pankratiasten aus dem alten Griechenland; Gladiatorendarstellungen und Ausrüstungsgegenstände aus dem antiken Rom. Aus dem abendländischen Mittelalter sollen Rüstungen und Waffen gesammelt werden. Auch spätmittelalterliche Ringkampf- und Fechtbücher lassen sich ggf. beschaffen und Faksimiles anfertigen. Nahkampfwaffen aus allen Epochen sollen gesammelt werden. Aus der Neuzeit, mit Aufkommen ostasiatischer Kampfkünste in Europa, sollen Waffen, Trainingsgeräte, Kampfanzüge, Boxhandschuhe und weitere Ausstattung, Trophäen, Autogramme berühmter Kampfsportler, Lehrbücher und -filme sowie weitere themenbezogene Medien gesammelt werden. Die Exponate sollen in erster Linie durch Spenden aus Privatsammlungen und von verschiedenen Sportverbänden, aber auch durch Ankäufe und Leihgaben aus anderen Museen erworben werden.

Das Museum setzt es sich zudem zur Aufgabe, die gesammelten Exponate zu konservieren und zu restaurieren. Die nach Materialität und Alter der unterschiedlichen Sammlungsstücke abhängigen Maßnahmen sollen dazu fachmännisch eingeleitet werden. Das Museum soll dies moderieren und ggf. in externe Hände geben.

Forschen und Dokumentieren

Im Rahmen von neuen Sonderausstellungen soll es wissenschaftliche Forschungen zu unterschiedlichen Themenkomplexen mit Bezügen zu Kampfsport/-kunst und (agonaler) Gewalt geben. Diese soll grundsätzlich interdisziplinär und in Kooperation mit anderen Forschungsinstitutionen (Universitäten, Fachhochschulen, Archive, Museen etc.) angelegt sein. Dazu soll es v.a. in Form von Ausstellungskatalogen Publikationen geben, die diese Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit tragen. Außerdem hält des Museum Fachtagungen und -symposien in den Bereichen Geschichtswissenschaften, Archäologie, Sportwissenschaften, Pädagogik, Museologie und anderen Disziplinen mit Bezug zur Ausstellung ab.

Zudem soll durch Spenden aus Privatsammlungen und durch Ankäufe die größte öffentlich zugängliche Kampfsport-Bibliothek Deutschlands in den Räumlichkeiten des Museums eingerichtet werden. Hier sollen schwerpunktmäßig Sach- und Fachbücher sowie Zeitschriften aus den Bereichen Kampfsport, Kampfkunst, Gewaltprävention, Selbstverteidigung, Philosophie, Sportwissenschaften und Pädagogik zum Bestand gehören.

Ausstellen und Vermitteln

Ein Ausstellungskonzept soll zu einem späteren Zeitpunkt vonseiten eines Kuratoriums entworfen werden. Grundsätzlich bieten sich an: a) ein chronologisches Leitsystem (von Ur- und Frühgeschichte bis hin zur Gegenwart); oder b) ein thematisch gegliederter Aufbau (Kampfsport und Medien, Kampfsport und Gewalt etc.); oder c) ein nach Disziplinen gegliederter Aufbau (z.B. Boxen/Striking, Ringen/Grappling, Allkampf, Waffenkampf).

Eine Besonderheit der Ausstellung soll eine direkt an der Ausstellung anliegende Kampfsporthalle sein: Somit als Teil der Ausstellung soll die Sporthalle ganztägig Ort für angebotene Kampfsportkurse sein, die von Sportvereinen und/oder -schulen betrieben werden. Besucherinnen und Besucher können selbst teilnehmen. Ein Spiegelfenster dient der Ausstellung als Vitrine und macht die Sporttreibenden selbst interaktiv zu einem Teil der Ausstellung. Die Trainingshalle dient außerdem wöchentlichen Turnieren und Vorführungen sowie Mitmach-Angeboten als Teil des museumspädagogischen Angebots.

Über Kampfsport und Kampfkunst gewinnen Besucherinnen und Besucher und insbesondere Jugendliche einen ganz besonderen Zugang zum außerschulischen Lernort Museum. Kampfsport ist besonders für Jugendliche ein faszinierendes Thema, das ihnen sonst vor allem in den Medien vermittelt wird. Kultur wird in der Regel nicht mit dem Themenkomplex verbunden und so kann durch ein Kampfsportmuseum ein neues Interesse für die Museumslandschaft und Kulturvermittlung geschaffen werden. Die Gewinnung neuer, auch und gerade so genannter bildungsferner Zielgruppen soll erklärtes Ziel des Museums sein. Dabei will es betont multikulturelle Bildung vollziehen, etwa durch Sonderausstellungen mit internationalen Bezügen (wie etwa durch Fokussierung auf ausländische Kampfkünste). Essenziell für das Vermittlungskonzept ist eine Ganzheitlichkeit: Mit theorielastigen Museumsführungen soll sich immer auch stets eine praktische Übung verbinden, etwa zu den Bereichen Gewaltprävention, Konfliktmanagement oder Teambuilding.

Außerschulischer Lernort

Über den Zugang des Kampfsports lassen sich sehr viele über die Kategorien „Kampf“, „Sport“ und „Gewalt“ hinausgehende Thematiken vermitteln: Mit Bezug auf schul-curriculare Schwerpunkte kommen insbesondere folgende Fächer für einen Museumsbesuch und die Konzeptionierung museumspädagogischer Angebote infrage:

Im Fach Geschichte lassen sich bei einer Führung durch die Ausstellung gesellschaftliche Systeme und ihre Veränderungen aufzeigen. So werden die antiken Olympischen Spiele und die römischen Gladiatorenkämpfe sich dazu eignen, die antiken Gesellschaften, ihre Architektur, Alltags- und Lebensweisen sowie ihre Veränderungen aufzuzeigen. Das mittelalterliche Turnierwesen dagegen zeigt eindrucksvoll das sich im Laufe der Jahrhunderte wandelnde Ständewesen der Feudalgesellschaft auf. In der Neuzeit lässt sich z.B. anhand von Kampfsportarten die Propaganda und die ideologische Indoktrination in der Erziehung in Diktaturen aufzeigen.

In den Fächern Philosophie und Religion können die Ansichten antiker Denker vermittelt werden, derer viele selbst Kampfsportler gewesen sind. Besonders interessant ist zudem die Vermittlung ostasiatischer Philosophien wie des Taoismus und Konfuzianismus sowie des Buddhismus – Philosophien und Religionen, die mit asiatischen Kampfkünsten in das Abendland eingezogen sind und durch die viele Besucherinnen und Besucher bereits eigene Zugänge dazu erhalten haben.

Im Fach Sport werden nur selten Museumsbesuche vorgesehen. Doch gerade durch das Themenfeld „Ringen und Raufen“ bietet sich geradezu ein Besuch des Kampfsportmuseums an. Häufig sind Sportlehrer selbst nicht ausreichend qualifiziert, Kämpfen im Unterricht zu vermitteln, und suchen daher pädagogisch ausgebildete Experten hierzu. Im Kampfsportmuseum sollen im Rahmen museumspädagogischer Angebote auch Kurse zum Ringen und Raufen angeboten werden.

Im Deutschunterricht können u.a. theaterpädagogische Zugänge geschaffen werden. So haben sich viele deutsche Schriftsteller mit dem Thema auseinandergesetzt, die immer häufiger im Unterricht behandelt werden (Beispiele: Heinrich von Kleist: „Der Zweikampf“, Reinhard Kleist: „Der Boxer“, Berthold Brechts Kurzgeschichten).

Fächerübergreifend und auch für nicht schulische Jugendeinrichtungen von höchstem Interesse sollen die Gewaltpräventionskurse sein, die regelmäßig angeboten werden. Hier sollen Kinder und Jugendliche von DOSB-lizensierten Gewaltschutztrainern und/oder Budo-Pädagogen lernen, wie sie mit Konfliktsituationen umgehen und wie sie potenzielle Gewalt präventiv behandeln können. Diese Angebote sollen jedoch nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern für Zielgruppen aller Altersklassen zur Verfügung stehen. Dazu zählen auch Selbstbehauptungskurse (etwa für Frauen), (allgemeine) Selbstverteidigung sowie Konfliktmanagement und Teambuilding (für Unternehmen). Diese sollen ebenso angeboten werden wie Kurse für Medienbildung (etwa durch die Analyse von Martial Arts-Filmen und Videospielen, die bei unreflektiertem Konsum häufig als realistisch wahrgenommen werden), Ernährungs- und Gesundheitskurse, Yoga-Kurse sowie Meditations-Seminare. Über den Sport können außerdem inklusive Zugänge geschaffen werden, etwa durch Rollstuhl-Karate und ähnliche Konzepte.

Integration und Jugendarbeit

Es ist erwiesen, dass Kampfsportarten einerseits auf große Faszination von Jugendlichen stoßen und gleichfalls ein großes pädagogisches, sozialisierendes Potenzial bergen. Das Kampfsportmuseum will nicht nur Jugendliche über den Sport sozialisieren, ihnen eine Gemeinschaft und Konfliktlösungen aufzeigen – etwa in Form vom „Abreagieren“ im sportlichen Kontext sowie der Vermittlung von sportlichen Werten. Es will noch einen Schritt weiter gehen und Jugendliche über den Sport an die Kulturlandschaft heranführen. Zielgruppen, die für gewöhnlich keinen intrinsisch motivierten Zugang zu einem Museum finden würden, können über den Kanal „Kampfsport“ und insbesondere durch die aktive Teilnahme an einem Kampfsportangebot sehr viel eher dazu motiviert werden, sich mit musealen Inhalten zu beschäftigen. Jugendliche im Kampfsportmuseum sollen zu Übungsleitern ausgebildet werden – nicht nur zur Leitung und Durchführung von Kampfsport- und Gewaltschutzkursen, sondern auch zur Mitwirkung an der Museumspädagogik als Besucherführer. Sie sollen dazu historisch, didaktisch und kommunikativ ausgebildet werden und andere Jugendliche (etwa Schülerinnen und Schüler) durch die Ausstellung führen können. Die hierfür zu erwerbenden Kompetenzen können sich nicht nur positiv auf das spätere Berufsleben auswirken, samt Schaffung hierfür erforderlicher Perspektiven; sie tragen auch dazu bei, sich mit der abendländischen Geschichte und Kultur – derer sie sich zugehörig fühlen sollen – zu identifizieren und sich somit in die Gesellschaft zu integrieren.

Was wird benötigt?

Bevor eine konkrete Planung vorgenommen und eine fundierte Kostenfinanzierungsplanung aufgestellt werden können, gilt es die wichtigste Hürde zu nehmen: Es wird eine Immobile benötigt, die entweder im Besitz des Museums ist oder aber dem Museum dauerhaft zur Verfügung gestellt werden kann. Der Standort dieser Immobilie sollte folgende Kriterien erfüllen:

Da es sich um ein Spaten-Museum handelt, sollte es sich in eine breit aufgestellte Museumslandschaft einreihen. Hier lassen sich für ein spezielles Themenfeld eher Interessenten finden als in einem Umfeld, in dem es keine anderen Spaten-Museen gibt. Dazu zählt nicht nur eine dichte Besiedlung im Umkreis, sondern auch eine dichte Kampfsport-Szene, die für ein breites Interesse steht und Kooperationen ermöglicht. Hierzu kommen zum Beispiel Großstädte wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main, Stuttgart, Bonn, Düsseldorf, Köln und das gesamte Ruhrgebiet infrage. Zudem sollte der Standort einen guten Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und Parkmöglichkeiten haben.

Der Optimalfall wäre ein Gebäude, das folgende – nach Möglichkeit inklusive –Räumlichkeiten ermöglicht. Es können auch einige Abstriche gemacht werden; die können dann jedoch die Qualität des Angebots mildern:

  • Eingangsbereich/Foyer
    – Kasse und Museumsshop
    – Gastronomie (Museumscafé) mit Küche
    – Sanitäre Anlagen/Toiletten
  • Ausstellungsfläche
    – Dauerausstellung
    – Sonderausstellung
    – Sporthalle
    – Verbindung durch Spiegelglas mit der Ausstellung
    – Umkleiden mit Toiletten und Duschen
  • Seminarraum/-räume
  • Bibliothek
  • Magazin
  • Büroräume, Werkstatt, Personalküche, Toiletten

Mindestmaß an Personal:

Grundsätzlich gilt: Je mehr Personal, desto mehr Leistung kann erbracht werden. Zwar kann ein Museum per se auch ehrenamtlich geführt werden, doch empfiehlt sich ein fester Personalstamm von professionell ausgebildeten Mitarbeitern. Das Mindestmaß der Stellenbesetzung könnte wie folgt aussehen:

1 x Museumsleitung und Kuration
1 x Museumspädagogik und Öffentlichkeitsarbeit
3 x Kassen- und Verwaltungspersonal
1 x Haus- und Museumstechnik
+ Ehrenamtliche Übungsleiter, Gästeführer und Helfer

Dauerhafte finanzielle Basis

Das grundlegende Problem einer dauerhaften institutionellen und finanziellen Basis kann erst zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden. De facto wird es zwar Einnahmen geben durch Eintrittsgelder, diese werden aber erfahrungsgemäß nicht ansatzweise zur Deckung laufender Kosten genügen. Grundsätzlich wird es einen Bedarf geben an Fördermitteln sowie Spenden und Sponsoring. Zusätzlich lässt sich durch Einnahmen von Mitgliedsbeiträgen ein Teil finanzieren. Hinzu kommen Shop-Einnahmen und die Untervermietung des Museumscafés sowie Einnahmen durch Raumvermietungen für externe Veranstaltungen.
In Hauptsache muss aber eine gesicherte Trägerschaft gefunden werden.

Alternative: Ein rein ehrenamtlich betriebenes Museum

Weniger optimal, dafür aber realistischer in der Umsetzung, ist ein ehrenamtlich geführtes Museum. Hierzu gibt es zahllose Beispiele. Kleine, ehrenamtlich geführte Museen sind meist nur einige Stunden an den Wochenenden geöffnet, weil die ehrenamtlichen Mitarbeiter das Haus in ihrer Freizeit betreiben. Die Kosten sind sehr viel geringer, jedoch können auf diese Weise nicht alle Potenziale dieser Idee voll ausgeschöpft werden. Grundsätzlich kann das Deutsche Kampfsportmuseum aber als ein ehrenamtlich betriebenes Museum gegründet werden.

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