Zusammenfassung
Einer von Bruce Lees berühmten Aussprüchen geht in die Richtung: „Wenn du schwimmen lernen willst, spring ins Wasser.“ Lees Diktum – dass choreografierte Bewegungsabläufe in den Kampfkünsten wenig Ähnlichkeit mit dem haben, was wir tatsächlich in einem Kampf tun – wurde verschiedenartig aufgefasst, wobei die Spannbreite von „das Lernen von Formen ist nutzlos“ über „traditionelles Training hat keinen Wert“ bis hin zu „Kampfkünste funktionieren nicht“ reicht. Im Kontext von Lees anderen Aussagen und seiner lebenslangen Praxis einer Reihe von Kampfkünsten bedeutet die Aussage natürlich nur, dass wir nicht wissen, wie man eine Fertigkeit aus dem Einüben ihrer Grundbewegungen heraus anwenden kann. Bruce Lee konnte sich auf die Anwendung von Fähigkeiten im Sparring konzentrieren, weil er einen Luxus hatte, den die meisten von uns derzeit nicht haben: das Training mit anderen Menschen. Angesichts einer Pandemie und der damit verbundenen Ausfälle sind Kampfsportler gezwungen, die Grundlagen ihres Trainings zu überdenken: Sie müssen Übungen, die für Partner konzipiert wurden, in Aktionen umwandeln, die auch alleine ausgeführt werden können, und herausfinden, wie sie Sparring mit hohem Kontakt in eine virtuelle Erfahrung verwandeln können. Um dies zu ermöglichen, haben sie zahlreiche Innovationen vorgenommen und sich dabei auf technologische Ressourcen gestützt, während sie gleichzeitig zu traditionellen Trainingsmethoden zurückkehrten: die Verwendung von Trainingspuppen, das Üben bestehender Formen und die Entwicklung neuer Formen. In diesem Aufsatz reflektiere ich diese Veränderungen, indem ich zu meiner früheren Arbeit (2019) über Risiko, Verletzlichkeit, Scheitern und Spiel im Kampfsporttraining zurückkehre. Darüber hinaus stütze ich mich auf Theorien der Langsamkeit (Osbaldiston 2013, Berg & Seeber 2016, Popan 2019), um über die Veränderungen im Kampfsporttraining in diesem Kontext zu reflektieren und wie die Anpassung an diese Veränderungen es uns ermöglichen könnte, gesünder zu leben, selbst wenn wir die offensichtlichen Verluste bewältigen, die mit der Abwesenheit von Präsenztraining einhergehen.
Abstract
Bruce Lee famously said: „If you want to learn to swim, jump in the water.“ Lee’s dictum – that choreographed sequences of martial arts movements bear little resemblance to what we actually do in a fight – has been taken to mean a variety of things: that learning forms is useless, that traditional training has no merit, and even that martial arts „don’t work.“ When taken in the context of Lee’s other statements and of his lifelong practice of a range of martial arts, the statement most likely means that we don’t know how to apply a skill from the rehearsal of its basic movements. Bruce Lee could focus on the application of skills in sparring because he had a luxury that most of us did not during the COVID-19 pandemic: training with other people. In the face of a pandemic and related shutdowns, martial artists were forced to rethink the fundamentals of their training: adapting drills designed for partners into actions that can be performed solo and figuring out how to turn high-contact sparring into a virtual experience. They have made numerous innovations to enable this, relying on technological resources, while also returning to traditional training methods: utilizing training dummies, practicing existing forms, and creating new ones. In this essay, I reflect on these changes by returning to my earlier work (2019) on risk, vulnerability, failure, and play in martial arts training. In addition, I rely upon theorizations of the slow (Osbaldiston 2013, Berg & Seeber 2016, Popan 2019), to reflect on the changes in martial arts training in this context and how adapting to these changes might allow us to rehearse healthier ways to live, even as we manage the evident losses that come with the absence of in-person training.
